Filmrezension: Infinitely Polar Bear – Kindheit mit einem manisch-depressiven Vater

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Mir persönlich hat der Film „Infinitely Polar Bear“ (Amazon Affiliate Link) über einen Vater mit einer Bipolaren Störung gut gefallen.

In dem Film „Infinitely Polar Bear“ von 2014 (Amazon Affiliate Link), der gerade (2016) auf DVD herausgekommen ist, spielt Charakterdarsteller Mark Ruffalo einen Mann mit einer Bipolaren Störung, der alleine für seine beiden Töchter sorgt. Die Mutter der beiden muss in der Hoffnung auf bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt in einer anderen Stadt studieren, um ihre Familie vor der Armut zu bewahren.

Der Erkrankte wird nur in einer Szene in einer psychiatrischen Klinik gezeigt, hauptsächlich ist er im Alltag und im Umgang mit seinen Kindern zu sehen. Der Film arbeitet sehr gut heraus, dass seine psychische Krankheit bei aller Belastung für die Familie auch schöne, emotionale, bunte, kreative Momente hervorbringt.

Viele Themen, die der Film anspricht, wurden mir genauso von Betroffenen und Angehörigen berichtet und scheinen sehr glaubwürdig: dass die Familie zunächst beschließt, Lehrern und Freunden nichts von der Krankheit des Vaters zu erzählen, mit der Begründung, dass sie es ohnehin nicht verstehen würden. Dass es vor allem die vielen ambitionierten Projekte des Erkrankten sind, die er halbfertig in der Wohnung herumstehen lässt, die die Angehörigen auf eine harte Probe stellen. Dass die Kinder früh ein starkes Verantwortungsgefühl entwickeln, den Haushalt machen, sich um sich selbst kümmern und befürchten müssen, dass ohne ihre Mithilfe die Familie auseinander bricht und der Vater nicht klarkommt (Parentifizierung). Außerdem geht es um das Schamgefühl der Kinder gegenüber „normalen“ Familien und die Existenznot, in die betroffene Familien häufig geraten, weil der erkrankte Elternteil keiner Arbeit nachgehen kann.

Die Darstellung von Mark Ruffalo kratzt immer wieder haarscharf an der Grenze zwischen Dramödie und Klamauk. Das hilft einerseits, den Film Mainstream-tauglich und die Thematik einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Es sind seine Kinder, die durch ihren vehementen Protest den Zuschauer immer wieder darauf aufmerksam machen, dass diese oder jene Situation für die Beteiligten nicht so lustig ist wie sie aussieht. Echte Verzweiflung oder die Beziehungsprobleme des Elternpaares werden jedoch ausgeklammert – ein Gefühl der Beklemmung kommt nur einmal in einer Szene gleich zu Beginn auf, als der erkrankte Vater seine Frau daran hindert, sich und die Kinder vor ihm in Sicherheit zu bringen. Angehörige von Betroffenen sollten sich den Film daher nicht in der Erwartung ansehen, dass ihr Leid hier absolut realistisch beschrieben wird, sondern in der Hoffnung, dass Filme wie dieser Nicht-Betroffene vorsichtig mit der Thematik vertraut machen können, ohne sie zu überfordern.

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