Warum wird über Kinder psychisch Kranker geschrieben, über Kinder körperlich Kranker aber nicht?

Die Berliner Zeitung hat unter dem Titel „Plötzlich erwachsen“ einen Artikel über Kinder psychisch Kranker gebracht:

Ich bin natürlich dankbar, dass die Berliner Zeitung dieses wichtige Thema aufgegriffen hat – Kinder psychisch kranker Eltern brauchen dringend mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Gleichzeitig frage ich mich aber, warum bisher die meisten Journalisten, die über mein Buch „Kindheit im Schatten“ berichten, nur auf den Aspekt der Kinder psychisch kranker Eltern anspringen. Was ist mit den Kindern körperlich Kranker? Eigentlich ging es mir im Buch darum zu zeigen, wie bedeutend das Phänomen insgesamt in unserer Gesellschaft ist, indem ich die Gemeinsamkeiten der Lebenswelten von Kindern psychisch kranker und Kindern körperlich kranker Eltern schildere und versuche, die Gesamt-Betroffenenzahl zu errechnen. Für Kinder körperlich kranker Eltern gibt es viel weniger Hilfsangebote, auch sie brauchen Aufmerksamkeit und Unterstützung, besonders wenn es sich um pflegende Minderjährige handelt! Kann mir einer erklären, warum das Thema Kinder körperlich Kranker anscheinend nicht spannend genug für die Medien ist?

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3 Gedanken zu „Warum wird über Kinder psychisch Kranker geschrieben, über Kinder körperlich Kranker aber nicht?

  1. Erklären kann ich dieses Phänomen auch nicht. Was ich allerdings aus eigener Erfahrung sagen kann: Wer eine körperliche Erkrankung hat, die irgendwie sichtbar ist (z.B. Humpeln aufgrund eines Rheumaschubes), wird man zunächst in Ruhe gelassen und ggf. bedauert. Irgendwann heißt es dann: „Können die Ärzte nichts machen? Da muss es doch etwas geben! Es kann doch nicht sein, dass nichts hilft.“ Heißt soviel wie: „Ich will die Auswirkungen nicht mehr sehen.“ Später hieß es: „Die hat einen guten Arzt oder nimmt die Medikamente nicht. Ich habe da einen Freund …“

    Wenn eine psychische Erkrankung vermutet wird, so meine Erfahrungen, wird schnell so getan als sei nichts. Doch im Büro hieß es gleich: „Die hat sicher einen guten Arzt und macht sicher nur auf krank“. Später stellte sich eine Schilddrüsenerkrankung heraus. Dann lief die Reaktion wieder nach dem ersten Absatz ab.

    Viele scheinen der Meinung zu sein es gebe für alles ein wirksames Medikament. Und dann wäre da noch das Gesundheitssystem mit Pflegediensten und Krankenhäusern. Kein Kind müsste pflegen. Außerdem sei das ja unzulässige Kinderarbeit. Ich halte das für Verdrängen, dass es einen selbst auch mal erwischen könnte und für mangelnde Erfahrung bzw. Erleben im eigenen Umfeld.

    Körperliche Erkrankungen werden, nach meiner Erfahrung, noch schneller ausgeblendet als psychische Erkrankungen, die manchen Menschen aufgrund von oft fehlerhaften Darstellungen in Filmen, Serien, Romanen, etc. mehr Angst erzeugen und daher als Gesprächsstoff etwas interessanter sind.

    Ich wünschte das wäre anders.

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    • Hi Saranya, danke für deine Meinung! Ich glaube, da ist viel Wahres dran! Vielleicht ist es auch so, dass man die Möglichkeit, eine psychische Erkrankung zu bekommen, besser verdrängen kann als die Möglichkeit, eine körperliche Krankheit zu bekommen. Viele Menschen haben wahnsinnig Angst, z.B. vor Krebs. Da redet man lieber nicht drüber. Psychische Krankheiten scheinen einem weiter entfernt zu sein, da lässt es sich einfacher drüber reden – obwohl das natürlich gar nicht stimmt. Genauso wie jeder körperlich krank werden kann, kann auch jeder psychisch krank werden. Naja, also ich wünsche mir jedenfalls, dass Kinder körperlich kranker Eltern die gleiche Aufmerksamkeit bekommen wie Kinder psychisch kranker Eltern. Und beide mehr Aufmerksamkeit als bisher. LG, Maja

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      • Danke für Deine liebe Antwort.

        Deinem Wunsch für die Kinder schließe ich mich aus vollem Herzen an!

        Doch leider für viele Politikern Kinder eher uninteressant, außer es ist Wahlkampf. Vielleicht weil Kinder nicht wählen dürfen?

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