Treffen und chillen: ChinChillaz Jugendgruppe für Kinder kranker Eltern in Bremen gestartet

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Du wohnst in Bremen, deine Mutter oder dein Vater leidet an einer psychischen Krankheit (dazu gehören auch Suchterkrankungen) und du möchtest einfach mal raus? Dann komm in die Jugendgruppe ChinChillaz! Keine Sorge, du musst nicht unbedingt über die Krankheiten deiner Eltern sprechen. Bei uns geht’s um dich und deine Bedürfnisse in der Pubertät.

Hinweise

ChinChillaz ist ein Gruppenangebot für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, das die Diakonische Jugendhilfe Bremen gGmbH in Zusammenarbeit mit der Caritas-Erziehungshilfe Bremen gGmbH initiiert hat. Es ist nicht relevant, ob die Jugendlichen bei ihren Eltern wohnen oder dort ausschließlich Besuchskontakte haben.

Die ChinChillaz treffen sich:

Dienstags 17-19 Uhr
im DAS Familiennetz
Stralsunder Straße 2
28237 Bremen

 

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Online-Befragung zu pflegenden Minderjährigen

Gerne teile ich folgende Anfrage:

Mein Name ist Marie Sievert und ich studiere derzeit Psychologie mit dem Schwerpunkt auf Rehabilitation an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sowohl in meiner eigenen Biografie, als auch in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Kinderschutzbund Kreisverband Stendal e.V. hatte ich Berührungspunkte mit Kindern und Jugendlichen, die aktiv an der Pflege erkrankter Angehöriger beteiligt sind oder waren. Die Thematik liegt mir persönlich sehr am Herzen.

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit führe ich deshalb derzeit eine Online-Befragung durch, die Langzeitauswirkungen der ehemaligen pflegenden Tätigkeit Minderjähriger beleuchten soll. Neben Art und Umfang der Tätigkeiten während der Kindheit bzw. Jugend werden mittels validierter Screeningverfahren die aktuelle Lebenszufriedenheit, Persönlichkeit (Big Five), Resilienz, Psychische Belastung, Selbstwirksamkeit sowie Persönliche Werte der Betroffenen erfasst. Es sollen also sowohl Risiken, als auch Chancen und Ressourcen ins Auge gefasst werden.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich mit Hilfe Ihres Netzwerks bei der Teilnehmerakquise unterstützen könnten. Der Fragebogen richtet sich in erster Linie an ehemals pflegende Kinder bzw. Jugendliche, die inzwischen das Erwachsenenalter erreicht haben. Für eine Vergleichsdatenbasis ist der Fragebogen aber auch für alle Teilnehmer außerhalb dieser Zielgruppe offen. Er ist online unter https://www.soscisurvey.de/kapa/ zu erreichen.

Umfrage für Fachkräfte zu „Young Carers“

Flyer Umfrage Junge PflegendeEin Forschungsteam der Uni Oldenburg hat mich gebeten, folgenden Aufruf zur Teilnahme an einer Umfrage über pflegende Minderjährige zu teilen, was ich hiermit gerne tue:

Sehr geehrte Fachkräfte aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich,

wir möchten Sie herzlich einladen, an einer Umfrage zum Thema „Young Carers“ (dt. „Junge Pflegende“) teilzunehmen. Ziel der Umfrage ist es, herauszufinden, wie und wie oft Fachpersonen aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich jungen Menschen begegnen, die ihre Eltern, Geschwister oder andere Angehörige pflegen.

Wir sind Studierende der Universität Oldenburg und forschen im Rahmen unserer Masterarbeit im Studiengang Sonderpädagogik zum Thema „Young Carers“ und würden uns über Ihre Teilnahme an unserem Projekt sehr freuen. Auch wenn Ihnen bisher der Begriff „Young Carers“ fremd ist und wenn Sie noch keinen Kontakt zu jungen Pflegenden hatten, können Sie durch Ihre Teilnahme an der Umfrage die Situation der Betroffenen in Deutschland langfristig verbessern. Die Befragung dauert etwa 5 – 10 Minuten. Alle Ihre Informationen werden anonymisiert. Eine Nachverfolgung einzelner Personen ist nicht möglich.

Weitere Informationen sowie den Fragebogen, den Sie online ausfüllen können, finden Sie unter folgendem Link: www.junge-pflegende-ol.de

Familienkonferenz – Pflege (FKP): ein Unterstützungsangebot für Familien mit pflegenden Kindern und Jugendlichen

Sie leben in Österreich und in Ihrer Familie helfen Minderjährige bei der Pflege eines Angehörigen? Sie haben als Mitarbeiter im Sozial- und Gesundheitswesen mit Familien zu tun, in denen Minderjährige bei der Pflege helfen? Die Uni Wien sucht genau solche Familien als Teilnehmer für ein Projekt unter der Leitung des renommierten Young Carers-Forschers Dr. Martin Nagl-Cupal, bei dem ein neues Unterstützungsangebot getestet wird.

Uni WienIn Österreich helfen etwa 3,5% der 10 – 14 Jährigen bei der Pflege und Betreuung eines chronisch erkrankten Familienmitglieds (Eltern, Großeltern, Geschwister). Diese Rolle als pflegender Minderjähriger (Young Carer) hat Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter, wie verschiedene Studien belegen. Vereinzelt gibt es bereits Unterstützungsangebote, die sich aber überwiegend auf den Young Carer selbst konzentrieren. Dabei haben internationale Erfahrungen gezeigt, dass so genannte familienorientierte Unterstützungsformen, die den Young Carer nicht einzeln, sondern eingebunden in die Familie betrachten, sinnvoller sind. Daran knüpft das Forschungsprojekt „NoSecrecy“ des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Wien erstmals in Österreich an.

Im Rahmen des Projekts wurde das Verfahren „Familienkonferenz – Pflege“ entwickelt. Ziel des Verfahrens ist es, die Familien selbst in die Lage zu versetzen, ihre Situation zu verbessern – anstatt ihnen von außen Hilfemaßnahmen überzustülpen, die vielleicht gar nicht passen. Unterstützt durch einen geschulten Koordinatoren oder eine Koordinatorin erarbeiten die Familien einen Plan und schaffen sich ein Unterstützungsnetzwerk. Dabei durchlaufen sie sechs Phasen:

  1. Vorbereitungsphase: Das Problem wird beschrieben und mögliche Unterstützer wie Freunde, Nachbarn oder Profis wie Sozialarbeiter oder ambulante Pflegekräfte werden aufgelistet.
  2. Informationsphase: Die möglichen Unterstützer werden informiert und gefragt, in welcher Form sie helfen können.
  3. Familienzeit: Ein Lösungsplan wird erarbeitet.
  4. Planfixierung: Der Lösungsplan wird präsentiert.
  5. Planumsetzung: Der Lösungsplan wird mit Hilfe der Unterstützer umgesetzt.
  6. Evaluierung: Nach ca. 3 Monaten gibt es ein Reflexionstreffen mit der Familie und der Koordinatorin/dem Koordinatoren, um den Erfolg des Lösungsplans zu überprüfen.

Aktuell wird das Verfahren „Familienkonferenz – Pflege“ in den Bundesländern Wien, Osterösterreich, dem Burgenland und der Steiermark in Kooperation mit dem Österreichischen Roten Kreuz von 12 speziell geschulten KoordinatorInnen bis Januar 2017 kostenfrei angeboten. Wer mitmachen möchte, meldet sich bei:

Julia Hauprich
Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien
Tel. (Österreich) 01 4277 498 16
Mail julia.hauprich@univie.ac.at
Facebook@FamilienkonferenzPflege

Projektlaufzeit:                                                                                                                                         April 2015 bis April 2017

Fördergeber:

Gemeinsame Gesundheitsziele

 Quellen:

  • Nagl-Cupal, Daniel, Koller, & Mayer, 2014
  • Nagl-Cupal, Daniel & Hauprich, 2014
  • Metzing-Blau, 2008; Kavanaugh, 2015

Warum wird über Kinder psychisch Kranker geschrieben, über Kinder körperlich Kranker aber nicht?

Die Berliner Zeitung hat unter dem Titel „Plötzlich erwachsen“ einen Artikel über Kinder psychisch Kranker gebracht:

Ich bin natürlich dankbar, dass die Berliner Zeitung dieses wichtige Thema aufgegriffen hat – Kinder psychisch kranker Eltern brauchen dringend mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Gleichzeitig frage ich mich aber, warum bisher die meisten Journalisten, die über mein Buch „Kindheit im Schatten“ berichten, nur auf den Aspekt der Kinder psychisch kranker Eltern anspringen. Was ist mit den Kindern körperlich Kranker? Eigentlich ging es mir im Buch darum zu zeigen, wie bedeutend das Phänomen insgesamt in unserer Gesellschaft ist, indem ich die Gemeinsamkeiten der Lebenswelten von Kindern psychisch kranker und Kindern körperlich kranker Eltern schildere und versuche, die Gesamt-Betroffenenzahl zu errechnen. Für Kinder körperlich kranker Eltern gibt es viel weniger Hilfsangebote, auch sie brauchen Aufmerksamkeit und Unterstützung, besonders wenn es sich um pflegende Minderjährige handelt! Kann mir einer erklären, warum das Thema Kinder körperlich Kranker anscheinend nicht spannend genug für die Medien ist?

Filmrezension: Infinitely Polar Bear – Kindheit mit einem manisch-depressiven Vater

v1.bTsxMTE5MTQ2MDtqOzE3MDU0OzIwNDg7NTA5Ozc1NQIn diesem Film von 2014, der gerade (2016) auf DVD herausgekommen ist, spielt Charakterdarsteller Mark Ruffalo einen Mann mit einer Bipolaren Störung, der alleine für seine beiden Töchter sorgt. Die Mutter der beiden muss in der Hoffnung auf bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt in einer anderen Stadt studieren, um ihre Familie vor der Armut zu bewahren.

Der Erkrankte wird nur in einer Szene in einer psychiatrischen Klinik gezeigt, hauptsächlich ist er im Alltag und im Umgang mit seinen Kindern zu sehen. Der Film arbeitet sehr gut heraus, dass seine psychische Krankheit bei aller Belastung für die Familie auch schöne, emotionale, bunte, kreative Momente hervorbringt.

Viele Themen, die der Film anspricht, wurden mir genauso von Betroffenen und Angehörigen berichtet und scheinen sehr glaubwürdig: dass die Familie zunächst beschließt, Lehrern und Freunden nichts von der Krankheit des Vaters zu erzählen, mit der Begründung, dass sie es ohnehin nicht verstehen würden. Dass es vor allem die vielen ambitionierten Projekte des Erkrankten sind, die er halbfertig in der Wohnung herumstehen lässt, die die Angehörigen auf eine harte Probe stellen. Dass die Kinder früh ein starkes Verantwortungsgefühl entwickeln, den Haushalt machen, sich um sich selbst kümmern und befürchten müssen, dass ohne ihre Mithilfe die Familie auseinander bricht und der Vater nicht klarkommt (Parentifizierung). Außerdem geht es um das Schamgefühl der Kinder gegenüber „normalen“ Familien und die Existenznot, in die betroffene Familien häufig geraten, weil der erkrankte Elternteil keiner Arbeit nachgehen kann.

Die Darstellung von Mark Ruffalo kratzt immer wieder haarscharf an der Grenze zwischen Dramödie und Klamauk. Das hilft einerseits, den Film Mainstream-tauglich und die Thematik einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Es sind seine Kinder, die durch ihren vehementen Protest den Zuschauer immer wieder darauf aufmerksam machen, dass diese oder jene Situation für die Beteiligten nicht so lustig ist wie sie aussieht. Echte Verzweiflung oder die Beziehungsprobleme des Elternpaares werden jedoch ausgeklammert – ein Gefühl der Beklemmung kommt nur einmal in einer Szene gleich zu Beginn auf, als der erkrankte Vater seine Frau daran hindert, sich und die Kinder vor ihm in Sicherheit zu bringen. Angehörige von Betroffenen sollten sich den Film daher nicht in der Erwartung ansehen, dass ihr Leid hier absolut realistisch beschrieben wird, sondern in der Hoffnung, dass Filme wie dieser Nicht-Betroffene vorsichtig mit der Thematik vertraut machen können, ohne sie zu überfordern.

Sendung zum neuen Buch auf Radio Paradiso

https://i2.wp.com/www.paradiso.de/wp-content/uploads/2016/04/roedenbeck2.jpegIch freue mich über die schöne und ausführliche Sendung über mein Buch auf Radio Paradiso! Moderator Günter Mahler schreibt: „Maja Roedenbeck hat ihr zweites vielbeachtetes Buch [das zweite im Ch. Links Verlag, insgesamt das fünfte ;-)] vorgelegt. Ging es im ersten noch um junge Erwachsene, die noch nie Sex hatten, ist das zweite Kindern kranker Eltern gewidmet.

Über dieses Buch spreche ich in „Mehr als Ja und Amen“ mit der Autorin, die ebenso spannend über ein Sachthema erzählen kann als auch Bücher schreiben. Wen wundert’s – ist sie doch selbst Mutter von zwei Kindern, deren Vater schwer krank war.“

Hier könnt ihr die Sendung auf Radio Paradiso hören!