Bringt pausentaste.de wirklich die vom Bundesfamilienministerium versprochene Auszeit für Young Carers?

Das Bundesfamilienministerium hat die Webseite pausentaste.de für pflegende Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen. Grundsätzlich ist es gut, dass das Problem erkannt und in Angriff genommen wurde. Die Webseite ist auch sicher nett gemacht, übersichtlich und modern. Es finden sich dort Geschichten von Young Carers: So erzählt Rike, wie sie von der Schulpflicht befreit wurde, um sich um ihre krebskranke Mutter zu kümmern. Oder es wird auf einen Artikel in der FAZ verlinkt, in dem Tabitha über die Pflege ihrer an Multipler Sklerose erkrankten Mutter berichtet. Außerdem gibt es Ratgeberartikel wie „Sieben smarte Tricks wie du den Kopf freibekommst“ oder „Wie Krebszellen entstehen“ und jede Menge Telefonnummern und Kontaktdaten zu Ansprechpartnern. Aber hilft das Onlineangebot den Betroffenen wirklich? Ich sehe da einige Probleme.

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Superhands kommt nach Deutschland

Bereits im Oktober 2011 starteten die Johanniter Österreich die Webseite superhands.at – eine Informationsseite für Jugendliche, die zu Hause bei der Pflege und Betreuung eines chronisch kranken Elternteils helfen oder sie sogar ganz alleine übernehmen. In Österreich gibt es Studien zufolge 42.700 so genannte Young Carers, in Deutschland sind es nach Schätzungen der Johanniter rund 250.000. Darum kommt Superhands jetzt auch nach Deutschland – höchste Zeit! Die Website heißt folgerichtig superhands.de und wurde umfangreich überarbeitet, denn in Deutschland sind die Pflege und ihre Unterstützungsangebote sowie die rechtlichen Grundlagen ganz anders aufgebaut als in Österreich. Was aber beide Seiten gemeinsam haben: Erklärungen zu chronischen Krankheiten in kindgerechter Sprache, Erklärvideos zu Erste-Hilfe-Themen und eine Telefon-Hotline, über die sich betroffene Jugendliche, aber auch Lehrer oder andere Bezugspersonen melden können. Weiterlesen

Lana (14) startet Austausch-Webseite für pflegende Kinder und Jugendliche

Lana Rebhahn (14) aus Bad Königshofen in der Nähe von Würzburg ist ein „Young Carer“. Sie pflegt ihren Vater, der an chronischen Zystennieren leidet – einer unheilbaren Krankheit. Seit sechs Jahren muss Lana ihre Vollzeit arbeitende Mutter im Haushalt unterstützen, regelmäßig die Krankenhaustasche für ihren Papa packen und ihn mit dem Notarzt ins Krankenhaus bringen, wenn sein Zustand mal wieder dramatisch wird – und sich natürlich viele Sorgen machen.

Nun hat sie die Webseite www.young-carers.de ins Leben gerufen, wo sie sich mit anderen pflegenden Kindern und Jugendlichen austauschen möchte. Ein bis zwei Kinder pro Schulklasse sind betroffen, insgesamt 250.000 in Deutschland. Teils pflegen und helfen sie über 20 Stunden pro Woche! Lana will etwas tun, damit diese Kinder Unterstützung bekommen. In ihren Sommerferien hat sie 300 Landkreise und 400 Einrichtungen der Wohlfahrtspflege kontaktiert, 2.200 Politiker auf ihre Webseite aufmerksam gemacht und 2.600 Schulen mit Flyern versorgt.

Treffen und chillen: ChinChillaz Jugendgruppe für Kinder kranker Eltern in Bremen gestartet

Du wohnst in Bremen, deine Mutter oder dein Vater leidet an einer psychischen Krankheit (dazu gehören auch Suchterkrankungen) und du möchtest einfach mal raus? Dann komm in die Jugendgruppe ChinChillaz! Keine Sorge, du musst nicht unbedingt über die Krankheiten deiner Eltern sprechen. Bei uns geht’s um dich und deine Bedürfnisse in der Pubertät.

Hinweise

ChinChillaz ist ein Gruppenangebot für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, das die Diakonische Jugendhilfe Bremen gGmbH in Zusammenarbeit mit der Caritas-Erziehungshilfe Bremen gGmbH initiiert hat. Es ist nicht relevant, ob die Jugendlichen bei ihren Eltern wohnen oder dort ausschließlich Besuchskontakte haben. Die ChinChillaz treffen sich dienstags 17-19 Uhr im „DAS Familiennetz“, Stralsunder Straße 2 in 28237 Bremen. Mehr Infos hier (Onlin2) oder hier (Flyer).

Online-Befragung zu pflegenden Minderjährigen

Gerne teile ich folgende Anfrage:

Mein Name ist Marie Sievert und ich studiere derzeit Psychologie mit dem Schwerpunkt auf Rehabilitation an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sowohl in meiner eigenen Biografie, als auch in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Kinderschutzbund Kreisverband Stendal e.V. hatte ich Berührungspunkte mit Kindern und Jugendlichen, die aktiv an der Pflege erkrankter Angehöriger beteiligt sind oder waren. Die Thematik liegt mir persönlich sehr am Herzen.

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit führe ich deshalb derzeit eine Online-Befragung durch, die Langzeitauswirkungen der ehemaligen pflegenden Tätigkeit Minderjähriger beleuchten soll. Neben Art und Umfang der Tätigkeiten während der Kindheit bzw. Jugend werden mittels validierter Screeningverfahren die aktuelle Lebenszufriedenheit, Persönlichkeit (Big Five), Resilienz, Psychische Belastung, Selbstwirksamkeit sowie Persönliche Werte der Betroffenen erfasst. Es sollen also sowohl Risiken, als auch Chancen und Ressourcen ins Auge gefasst werden. Weiterlesen

Umfrage für Fachkräfte zu „Young Carers“

Flyer Umfrage Junge PflegendeEin Forschungsteam der Uni Oldenburg hat mich gebeten, folgenden Aufruf zur Teilnahme an einer Umfrage über pflegende Minderjährige zu teilen, was ich hiermit gerne tue:

Sehr geehrte Fachkräfte aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, wir möchten Sie herzlich einladen, an einer Umfrage zum Thema „Young Carers“ (dt. „Junge Pflegende“) teilzunehmen. Ziel der Umfrage ist es, herauszufinden, wie und wie oft Fachpersonen aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich jungen Menschen begegnen, die ihre Eltern, Geschwister oder andere Angehörige pflegen.

Wir sind Studierende der Universität Oldenburg und forschen im Rahmen unserer Masterarbeit im Studiengang Sonderpädagogik zum Thema „Young Carers“ Weiterlesen

Patenschaftsprogramm „Wegbegleiter“ der Neanderdiakonie

Beim Projekt “Wegbegleiter“ der Neanderdiakonie kümmern sich Paten um die Kinder von psychisch erkrankten Eltern. Auch Yasmin und Matthias As engagieren sich: für Marie und ihre an Schizophrenie erkrankte Mutter. Wie es ihnen beim ersten Treffen mit Marie ergangen ist und worüber sie sich am meisten Sorgen machen, lest ihr im Artikel „Wegbegleiter: So normal wie möglich“ auf diakonie.de.

 

Familienkonferenz – Pflege (FKP): ein Unterstützungsangebot für Familien mit pflegenden Kindern und Jugendlichen

Sie leben in Österreich und in Ihrer Familie helfen Minderjährige bei der Pflege eines Angehörigen? Sie haben als Mitarbeiter im Sozial- und Gesundheitswesen mit Familien zu tun, in denen Minderjährige bei der Pflege helfen? Die Uni Wien sucht genau solche Familien als Teilnehmer für ein Projekt unter der Leitung des renommierten Young Carers-Forschers Dr. Martin Nagl-Cupal, bei dem ein neues Unterstützungsangebot getestet wird.

Aktueller Hinweis (10.9.18): Das Projekt ist im April 2017 ausgelaufen. Das Verfahren „Familienkonferenz – Pflege (FKP)“ steht nun zur Anwendung in betroffenen Familien zur Verfügung. Hier geht’s zur Infobroschüre. Weiterlesen

Warum wird über Kinder psychisch Kranker geschrieben, über Kinder körperlich Kranker aber nicht?

Die Berliner Zeitung hat unter dem Titel „Plötzlich erwachsen“ einen Artikel über Kinder psychisch Kranker gebracht, in dem auch mein Buch erwähnt wird. Hier geht’s zur Onlineversion.

Berliner Zeitung Plötzlich erwachsen

Ich bin natürlich dankbar, dass die Berliner Zeitung dieses wichtige Thema aufgegriffen hat – Kinder psychisch kranker Eltern brauchen dringend mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung. Gleichzeitig frage ich mich aber, warum bisher die meisten Journalisten, die über mein Buch „Kindheit im Schatten“ berichten, nur auf den Aspekt der Kinder psychisch kranker Eltern anspringen. Was ist mit den Kindern körperlich Kranker? Eigentlich ging es mir im Buch darum zu zeigen, wie bedeutend das Phänomen insgesamt in unserer Gesellschaft ist, indem ich die Gemeinsamkeiten der Lebenswelten von Kindern psychisch kranker und Kindern körperlich kranker Eltern schildere und versuche, die Gesamt-Betroffenenzahl zu errechnen. Für Kinder körperlich kranker Eltern gibt es viel weniger Hilfsangebote, auch sie brauchen Aufmerksamkeit und Unterstützung, besonders wenn es sich um pflegende Minderjährige handelt! Kann mir einer erklären, warum das Thema Kinder körperlich Kranker anscheinend nicht spannend genug für die Medien ist?