Neuerscheinung

Cover NEUDas neue Buch von Maja Roedenbeck, „Kindheit im Schatten – Wenn Eltern krank sind und Kinder stark sein müssen“, erscheint im April 2016 im Ch. Links Verlag.

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Maja Roedenbeck, was hat Sie dazu bewegt, sich mit dem Thema „Kinder kranker Eltern“ zu beschäftigen?

Mein Ex-Mann hat 2013 nach jahrzehntelanger Krankheit eine Herztransplantation erhalten. Zweieinhalb Jahre hat er am Stück im Krankenhaus, die letzten Monate in der Reha verbracht. Unsere beiden Söhne waren zum Zeitpunkt der Transplantation 8 und 6 Jahre alt. Der ihnen erinnerliche Teil ihrer Kindheit ist geprägt von der Krankheit ihres Vaters. Für uns alle vier war das eine sehr schwere Zeit, die zu allem Überfluss mit unserer Scheidung endete. Ich habe mich währenddessen oft gefragt, wie ich die Kinder durch diese Erfahrung begleiten kann, sodass sie psychisch stabil bleiben. Doch erst mit etwas Abstand hatte ich die Kraft, mich wirklich intensiv damit auseinanderzusetzen, wie eine solche Erfahrung aus der Perspektive der Kinder aussieht und was die Kinder brauchen, um diese Erfahrung in ihr Leben integrieren und sich zu psychisch stabilen Erwachsenen entwickeln zu können. Ich hoffe nun, mit dem Buch anderen Betroffenen helfen zu können.

An wen richtet sich das Buch? An die Kinder oder an die kranken Eltern?

Hauptsächlich richtet sich das Buch an Erwachsene, die ihre Kindheit mit einem schwerkranken Elternteil verbracht haben. Denn wie ich in vielen Gesprächen mit Betroffenen und Experten erfahren habe, sind die Kinder und Jugendlichen (mit Ausnahmen) als Minderjährige zu sehr mit dem Überleben beschäftigt, um sich reflektiert mit dem Thema auseinanderzusetzen. Kommt es dann durch ihre Volljährigkeit, den Tod des Elternteils oder eine andere Form der Abnabelung von der Familie zu einem Ende der Erfahrung, suchen sie erst einmal Abstand. Erst später im Leben setzen sie sich mit ihrer belasteten Kindheit auseinander. Aber natürlich finden auch der gesunde und der kranke Elternteil, Psychologen, reflektierte Jugendliche, andere Angehörige und Freunde wertvolle Hinweise im Buch.

Das Buch richtet sich an (erwachsene) Kinder körperlich kranker, psychisch kranker und suchtkranker Eltern. Auch wenn ihre Erfahrungswelten sich in Teilen sehr unterscheiden, ähneln sie sich in weiten Teilen sehr. Darum fasse ich diese drei Aspekte in meinem Buch erstmals zusammen. Insgesamt gehe ich nach dem gewissenhaften Zusammentragen von Zahlen und Statistiken davon aus, dass in Deutschland über 10 Millionen Menschen leben, die als Minderjährige von einem schwerkranken Elternteil betroffen waren bzw. aktuell sind.

Gibt es den einen wichtigsten Tipp, wie Kinder kranker Eltern ihre Kindheit psychisch stabil überstehen?

Ja, den gibt es tatsächlich. Natürlich spielen viele Umstände eine Rolle und jeder Fall ist individuell. Aber aus allen Betroffenen- und Expertengesprächen kristallisierte sich heraus, dass es Kindern dann gelingt, psychisch stabil aus einer Kindheit mit einem schwerkranken Elternteil hervorzugehen, wenn sie einen Ansprechpartner, eine erwachsene Bezugsperson haben, der/die ihnen Stabilität bietet und einen sinnvollen Umgang mit derartigen Lebenskrisen vorlebt. Das kann der gesunde Elternteil sein, doch da dieser oft selbst zu sehr involviert ist, um sich wirklich um die kindlichen Bedürfnisse zu kümmern, ist es meist eine außenstehende Person wie ein Großelternteil oder andere Verwandte, ein Lehrer, Sporttrainer, Nachbar, ein ehrenamtlicher Pate oder Ähnliches.

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