Familienkonferenz – Pflege (FKP): ein Unterstützungsangebot für Familien mit pflegenden Kindern und Jugendlichen

Sie leben in Österreich und in Ihrer Familie helfen Minderjährige bei der Pflege eines Angehörigen? Sie haben als Mitarbeiter im Sozial- und Gesundheitswesen mit Familien zu tun, in denen Minderjährige bei der Pflege helfen? Die Uni Wien sucht genau solche Familien als Teilnehmer für ein Projekt unter der Leitung des renommierten Young Carers-Forschers Dr. Martin Nagl-Cupal, bei dem ein neues Unterstützungsangebot getestet wird.

Uni WienIn Österreich helfen etwa 3,5% der 10 – 14 Jährigen bei der Pflege und Betreuung eines chronisch erkrankten Familienmitglieds (Eltern, Großeltern, Geschwister). Diese Rolle als pflegender Minderjähriger (Young Carer) hat Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter, wie verschiedene Studien belegen. Vereinzelt gibt es bereits Unterstützungsangebote, die sich aber überwiegend auf den Young Carer selbst konzentrieren. Dabei haben internationale Erfahrungen gezeigt, dass so genannte familienorientierte Unterstützungsformen, die den Young Carer nicht einzeln, sondern eingebunden in die Familie betrachten, sinnvoller sind. Daran knüpft das Forschungsprojekt „NoSecrecy“ des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Wien erstmals in Österreich an.

Im Rahmen des Projekts wurde das Verfahren „Familienkonferenz – Pflege“ entwickelt. Ziel des Verfahrens ist es, die Familien selbst in die Lage zu versetzen, ihre Situation zu verbessern – anstatt ihnen von außen Hilfemaßnahmen überzustülpen, die vielleicht gar nicht passen. Unterstützt durch einen geschulten Koordinatoren oder eine Koordinatorin erarbeiten die Familien einen Plan und schaffen sich ein Unterstützungsnetzwerk. Dabei durchlaufen sie sechs Phasen:

  1. Vorbereitungsphase: Das Problem wird beschrieben und mögliche Unterstützer wie Freunde, Nachbarn oder Profis wie Sozialarbeiter oder ambulante Pflegekräfte werden aufgelistet.
  2. Informationsphase: Die möglichen Unterstützer werden informiert und gefragt, in welcher Form sie helfen können.
  3. Familienzeit: Ein Lösungsplan wird erarbeitet.
  4. Planfixierung: Der Lösungsplan wird präsentiert.
  5. Planumsetzung: Der Lösungsplan wird mit Hilfe der Unterstützer umgesetzt.
  6. Evaluierung: Nach ca. 3 Monaten gibt es ein Reflexionstreffen mit der Familie und der Koordinatorin/dem Koordinatoren, um den Erfolg des Lösungsplans zu überprüfen.

Aktuell wird das Verfahren „Familienkonferenz – Pflege“ in den Bundesländern Wien, Osterösterreich, dem Burgenland und der Steiermark in Kooperation mit dem Österreichischen Roten Kreuz von 12 speziell geschulten KoordinatorInnen bis Januar 2017 kostenfrei angeboten. Wer mitmachen möchte, meldet sich bei:

Julia Hauprich
Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien
Tel. (Österreich) 01 4277 498 16
Mail julia.hauprich@univie.ac.at
Facebook@FamilienkonferenzPflege

Projektlaufzeit:                                                                                                                                         April 2015 bis April 2017

Fördergeber:

Gemeinsame Gesundheitsziele

 Quellen:

  • Nagl-Cupal, Daniel, Koller, & Mayer, 2014
  • Nagl-Cupal, Daniel & Hauprich, 2014
  • Metzing-Blau, 2008; Kavanaugh, 2015
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